Warum sollte man Gemüse vorziehen?
Wer gut vorbereitet ins Gartenjahr starten möchte, sollte sich schon früh damit beschäftigen, was er in sein Gemüsebeet pflanzen möchte. Die Samen vieler Gemüsesorten würden im Spätwinter draussen im Beet schlichtweg erfrieren – wenn du sie allerdings auf der Fensterbank vorziehst, kannst du bereits im Januar die ideale Grundlage für dein Gartenjahr legen. Der Vorteil: Insbesondere wärmeliebende Gemüsesorten aus mediterranen Gebieten, die nicht an unsere klimatischen Bedingungen angepasst sind, haben so einen Wachstumsvorsprung und können über den Sommer viele und grosse Früchte ausbilden. Zudem würden sich viele Pflänzchen bei einer späten Aussaat im Mai nicht schnell genug entwickeln und durch die erste Trockenheit Schaden nehmen. Du kannst auf der Fensterbank dagegen für konstante Licht- und Temperaturbedingungen sorgen, was besonders in der Phase des Austreibens wichtig ist. Ausserdem sind kritische Wetterbedingungen wie Frost und Starkregen keine Gefahr für deine Pflänzchen. Ein weiterer Pluspunkt: Du kannst dein Gemüse beim Wachsen beobachten und so die Vorfreude auf das Gartenjahr steigern.
Welches Gemüse muss vorgezogen werden?
Viele, aber nicht alle Gemüsesorten sollten auf der Fensterbank vorgezogen werden, bevor sie ins Gemüsebeet oder Gewächshaus wandern. Insbesondere Sorten, die eine lange Wachstumsperiode haben und aus sonnigeren und wärmeren Gebieten stammen, brauchen einen kleinen Wachstumsvorsprung. Dazu gehört zum Beispiel mediterranes Gemüse wie Aubergine, Chili, Paprika, Tomaten und Zucchini. Doch auch einige Kohlsorten wie Wirsing, Weisskohl, Spitzkohl und Rotkohl sowie Kohlrabi, Brokkoli und Blumenkohl freuen sich über einen Start auf der Fensterbank. Es gibt jedoch auch einige Gemüsesorten, die du nicht vorziehen solltest, da sie unterirdisch wachsen, wie etwa Möhren, Rote Bete und Radieschen. Andere Gemüsepflanzen wiederum haben einfach eine sehr kurze Keimdauer, sodass sich das Vorziehen für sie nicht lohnt. Dazu zählen Bohnen und Erbsen. In diesem Fall solltest du die Samen zur richtigen Zeit direkt ins Gemüsebeet säen.

Der richtige Zeitpunkt für die Aussaat
Am wichtigsten für die erfolgreiche Keimung deiner Gemüsepflanzen sind Feuchtigkeit, Licht und die richtige Temperatur. Insbesondere Licht ist dabei ein wichtiger Faktor, deshalb solltest du nicht zu früh mit dem Vorziehen starten: Selbst, wenn du im Januar für eine gleichbleibende Temperatur sorgst, ist die Sonne noch nicht stark genug, damit sich kräftige Pflanzen bilden. Sie entwickeln sich eher lang, dünn und schwach – der Profi nennt das „Vergeilen“. Manche Sorten wie Auberginen, Paprika und Chili, aber auch Kohlrabi und Lauch lassen sich in der Regel schon im Februar auf der Fensterbank vorziehen. Die meisten Gemüsesorten sollten allerdings erst ab März vorgezogen werden. Um ganz sicher zu gehen, wann der richtige Zeitpunkt zum Vorziehen gekommen ist, solltest du allerdings die Saatgutverpackung deines Gemüses studieren.

Das passende Substrat für das Vorziehen von Gemüse
Deine Keimlinge benötigen neben der richtigen Temperatur, genügend Licht und Feuchtigkeit vor allem eins: das passende Substrat. Dieses sollte möglichst wenig Nährstoffe enthalten – so wird der Keimling angeregt, schnell starke Wurzeln zu bilden. Wäre sie von Nährstoffen umgeben, hätte die kleine Pflanze keinen Grund, mittels Wurzeln auf die Suche nach Nährstoffen zu gehen. Der Keimling wächst dann zwar nicht so schnell, dafür aber kräftig.
Am besten verwendest du für deine Samen hochwertige, nährstoffarme Anzuchterde. Eine torffreie Variante ist zudem ökologisch unbedenklich. Alternativ ist Kokos-Anzuchterde zu empfehlen, die entweder lose oder gepresst als Quelltablette erhältlich ist. Insbesondere die Quelltabletten sind praktisch: Gib die Tablette entweder in eine Anzuchtschale oder einen Pflanztopf, füge eine geringe Menge lauwarmes Wasser hinzu und lass sie einige Minuten quellen – schon kannst du deinen Samen pflanzen.

Gemüse vorziehen – verschiedene Möglichkeiten
Anzucht im Topf
Du kannst für das Vorziehen deiner Gemüsepflanzen sowohl klassische Tontöpfe als auch Kunststofftöpfe, in denen normalerweise Jungpflanzen verkauft werden, verwenden. Fülle im ersten Schritt die Anzuchterde ein, drücke sie ein wenig fest und gib deine Samen mit etwas Abstand hinein. Die Saatkörner sollten dabei in etwa so tief in die Erde wandern, wie sie gross sind. Gib dann noch eine Schicht Substrat in den Topf und drücke die Erde noch mal fest. Eine Ausnahme sind Lichtkeimer wie zum Beispiel Basilikum: Solche Pflanzen entwickeln sich nur, wenn sie auf der Erde liegen und Licht bekommen. Feuchte danach die Erde mit einer Sprühflasche an, denn ein normaler Wasserstrahl würde die kleinen Samen wegspülen.

Kokos-Anzuchttöpfe
Anzuchttöpfe aus Kokosfasern bestehen aus Kokosfasern und Naturkautschuk und somit aus nachwachsenden Rohstoffen. Sie funktionieren genauso wie ein normaler Pflanztopf, mit einem entscheidenden Vorteil: Wenn deine Gemüsepflanze gross genug ist, kannst du sie mitsamt Topf in dein Gemüsebeet setzen. Das ist schonender für deine Jungpflanze, denn auf diese Weise musst du sie nicht zunächst aus ihrem Topf befreien, um sie in die Erde zu setzen und auf diese Weise womöglich riskieren das Wurzelwerk zu beschädigen. Auch verhindert ein Kokosfaser-Anzuchttopf die Entstehung von Drehwurzeln. Der Topf zersetzt sich zudem im Boden und reichert ihn zusätzlich an, weil er komplett biologisch abbaubar ist – auf diese Weise produzierst du weniger Müll und tust der Umwelt etwas Gutes.

Anzucht im Mini-Gewächshaus
Mini-Gewächshäuser sind eine komfortable Lösung, um deine Pflanzen vorzuziehen: Sie bieten nicht nur einen passend unterteilten Behälter für Substrat und Samen, sondern auch ein transparentes Dach. Dieses sorgt dafür, dass deine Sämlinge durch gleichbleibende Temperatur und Luftfeuchtigkeit ideal wachsen können.

Selbstgemachte Anzuchtmöglichkeiten
Für das Vorziehen deiner Gemüsepflanzen musst du nicht immer spezielle Anzuchttöpfe kaufen – auch im Haushalt finden sich dafür Lösungen. So kannst du neben Toilettenpapierrollen aus Pappe auch Eierkartons verwenden oder kleine Pflanztöpfchen aus Zeitungspapier basteln. Auch diese Varianten können mitsamt der Pflanze ins Beet wandern und zersetzen sich nach einiger Zeit.

Hellen und warmen Standort wählen
Um für die passenden Bedingungen für deine Keimlinge zu sorgen, solltest du dir einen guten Standort für deine kleinen Pflanzen suchen. Zum Keimen benötigen die Samen eine Temperatur von 22-25°C – im besten Fall kannst du diese Temperatur mit einem Mini-Gewächshaus erreichen, als Alternative funktioniert aber auch Frischhaltefolie, die du über die Töpfe spannst. Sobald deine Samen spriessen, kannst du die Abdeckung entfernen. Achtung: Einige Kulturen wie etwa Gurken oder Zucchini fühlen sich unter Frischhaltefolie richtig wohl, andere allerdings nicht. Denn bei einer Abdeckung mit Frischhaltefolie besteht für diese Sorten die Gefahr der Stauhitze, was die Keimung aufhält. In diesem Fall solltest du ein Mini-Gewächshaus mit Abdeckung nutzen, da es mehr Platz bietet.
Stelle deine Töpfe an einen hellen, warmen und vor Zugluft geschützten Ort – etwa die Fensterbank. Sei aber vorsichtig mit zu viel Heizungsluft, denn diese könnte das Substrat schnell austrocknen. In diesem Fall musst du noch mehr darauf achten, dass deine Erde feucht bleibt. Falls du über keinen hellen Standort in deinen vier Wänden verfügst, kannst du dir mit einer speziellen Pflanzenlampe mit Zeitschaltuhr helfen.

Pflege der Keimlinge
Einige Zeit nach dem Anpflanzen gucken die ersten Triebe deiner Gemüsepflanzen aus der Erde hervor. Die Keimlinge sind noch sehr empfindlich, daher solltest du sie nicht berühren. Achte jetzt bei deinen Anzuchttöpfen darauf, dass sich in der Erde keine Staunässe bildet, denn diese schädigt die jungen Wurzeln deiner Gemüsepflanzen. Das erreichst du durch gemässigte Wassergaben, am besten mit einer Sprühflasche. Durch vorsichtiges Betasten der Erde stellst du fest, ob sie trocken oder noch schön feucht ist. Haben die Triebe das Licht erreicht, senkst du die Umgebungstemperatur auf ungefähr 18 °C. Bei zu viel Wärme und wenig Licht werden die Triebe der jungen Pflanzen schwach und dünn.
Sobald die einzelnen Pflanzen wenige Zentimeter hoch gewachsen sind, müssen sie pikiert beziehungsweise vereinzelt werden: Hole die Gemüsepflanzen dafür vorsichtig aus der Anzuchterde und trenne die Wurzeln behutsam voneinander. Dazu verwendest du entweder einen kleinen Löffel, einen Holzspiess oder einen speziellen Pikierstab. Anschliessend setzt du die vereinzelten Pflanzen in eigene Töpfe, damit sie genug Platz haben, um heranzuwachsen. Grundsätzlich werden die Sämlinge dabei so tief gepflanzt, wie sie auch vorher gewachsen sind. Das Pikieren und Umsetzen sind nötig, damit die kleinen Pflanzen genug Platz für ihre Entwicklung in geschützter Umgebung erhalten. Einige Pflanzen wie Kürbisse oder Zucchini mögen es allerdings gar nicht, wenn man sie pikiert – informiere dich also gezielt bei jeder Sorte, ob ein Pikieren der Setzlinge notwendig ist.
Es ist ausserdem nötig, die Setzlinge vor dem Auspflanzen auf die Aussenbedingungen zu gewöhnen. Sorge dafür zwischendurch mit einem Ventilator für etwas Wind, dadurch werden sie stärker und widerstandsfähiger. Das Glas deines Fensters filtert zudem die schädlichen Strahlen der Sonne: Stelle die Setzlinge daher einen Monat vor dem Umpflanzen jeden Tag für ein paar Stunden nach draussen, damit sie sich an die Sonnenstrahlen gewöhnen und keinen Sonnenbrand nach dem Umpflanzen nach draussen bekommen.











